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Integration ins häusliche Umfeld – der Kitabesuch

Die „Integration ins häusliche Umfeld“ ist eine Abrechnungsposition für die Ergotherapie. Wenn ein Kind in die Ergotherapie zur Behandlung kommt, ist die „Integration ins häusliche Umfeld“ (Dauer: 90 Minuten) ein Bestandteil der Therapie und häufig für deren Erfolg wichtig. Je nach Alter des Kindes kann dieser Therapiebestandteil entweder ein Kitabesuch oder ein Schulbesuch sein.

Fallbeispiel: der Kitabesuch

Alexander, 5 Jahre, kommt seit ca. einem viertel Jahr zur Ergotherapie. Seine Mutter hatte schon im Erstgespräch den Wunsch geäußert, dass ein Austausch mit der Kita stattfindet, in die Alexander seit seinem 1. Lebensjahr geht. Die erste Ergotherapie-Verordnung wurde für die Durchführung des Befundes sowie die therapeutischen Interventionen genutzt.
Während der zweiten Verordnung soll nun ein Austausch mit der Kita stattfinden. Im Laufe der 1. Verordnung wurde durch die Kita bereits ein Fragebogen zu Alexanders Verhalten ausgefüllt. Die Erzieherin beschreibt, dass der 5-jährige Junge von Anfang an gut in die Gruppe integriert ist. Er suche jedoch verstärkt den Kontakt zu den etwas jüngeren Kindern und versuche hier häufig seinen Willen durchzusetzen. Wenn ihm dies nicht gelinge, sei er frustriert und zeige widerständiges Verhalten. Wenn er dann weint und sich teilweise aggressiv verhält (z.B. andere Kinder tritt und kneift), lasse er sich lange nicht wieder beruhigen. Viele Kinder und z.T. auch die Erzieherin versuchten, es ihm recht zu machen, um solche konfliktbelasteten Situationen zu vermeiden. Sonst ist Alexander gerne bei allen Angeboten dabei und sehr motiviert. Die Konzentration in der Gruppe fällt ihm noch etwas schwer, was mit Hinblick auf die Schuleinführung noch zu fördern wäre.

Nachdem Alexander von seiner Mutter morgens gebracht wurde, geht er in den Gruppenraum und frühstückt mit den anderen. Die Therapeutin setzt sich in den Hintergrund und nutzt den ersten Teil (45 Minuten), um den Jungen in seinem Verhalten und in der Gruppe zu beobachten. In der Frühstückszeit fällt auf, dass Alexander recht unruhig ist, sich aber durch kleine Hinweise der Erzieherin immer wieder auf sein Essen konzentrieren kann. In der anschließenden Spielzeit sind schnell die von der Erzieherin beschriebenen Situationen zu beobachten. Die Therapeutin macht sich hierbei kurze Notizen, was Auslöser für seine Frustrationen sind und wie genau Alexander sich dann verhält.

Im zweiten Teil des Kitabesuchs setzt sich die Therapeutin mit der Erzieherin zusammen. Sie berichtet von den durchgeführten Tests. Hierbei erlangte Alexander z.B. im ET6-6 (Entwicklungstest) gute altersgemäße Ergebnisse, jedoch fiel auch hier die motorische Unruhe und die verminderte Konzentrationsfähigkeit auf. Zu Beginn der Therapie war ebenfalls zu beobachten, dass der 5-Jährige häufig versuchte, seine Ideen durchzusetzen und sich nur schwer auf von außen gesteuerte Angebote einlassen kann. Jedoch hat sich dies zum Ende der 1. Verordnung u.a. durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen mit klarer Grenzsetzung deutlich gebessert.

Wie geht es nach dem Kitabesuch weiter?

Die Erzieherin wünscht sich Hilfestellungen für den Umgang mit Alexander, so dass oben beschriebene Situationen nicht mehr entstehen, ohne dass es ihm alle recht machen. Die Therapeutin rät hier z.B. zu einem Belohnungssystem oder dem Einführen von klaren Regeln und Konsequenzen in Spielsituationen mit der Gruppe.

In Folge des Austausches mit der Erzieherin wird die Therapeutin in der Praxis ein Konzentrationstraining in der Kleingruppe sowie psychomotorische Angebote durchführen. Hierdurch soll die motorische Unruhe, die Konzentration und das sozio-emotionale Verhalten verbessert werden. Alexander lernt, sich mit anderen abzusprechen und sich auf die Wünsche der anderen Kinder einzulassen.

Der Kitabesuch war für beide Seiten sehr wichtig. Die Erzieherin hat Tipps bekommen, um die Kita-Situation zu entschärfen. Die behandelnde Therapeutin weiß wiederum, was vor allem im Hinblick auf die baldige Schuleinführung noch gefördert werden muss (Alexanders Verhalten in der Gruppe). Die Integration ins häusliche Umfeld ist folglich wichtig für den Therapieerfolg, da Kinder häufig in der Einzelsituation andere Verhaltensweisen als in der Gruppensituation zeigen.

 

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