Skip to content

1. Teil: Paraffin, Kiesbad und andere  Wärme – Anwendungen

Zurzeit spielt das Wetter verrückt: Eigentlich ist es viel zu kalt für die Jahreszeit, aber wirklich entscheiden kann sich Petrus nicht. Wenn die Wolken den Himmel verdecken ist es kalt (Jacke verschließen), wenn die Sonne durchbricht teilweise aber richtig heiß (schnell alles wieder ausziehen). Es ist ein nervenaufreibendes Hin und Her zwischen Wärme und Kälte. Diesem Wetter ist meine Idee, die Wirkung von Temperatur aus therapeutischer Sicht zu erläutern, entsprungen.

Heute will ich mit der Wärme beginnen.

In meiner Arbeit habe ich schon oft erlebt, welche positiven Effekte Wärme haben kann. Denn Wärme fördert die Durchblutung, ist schmerzlindernd, verbessert die Dehnbarkeit von Sehnen und Bändern und hilft verspannte Muskeln zu lockern. Außerdem kann sie Gelenksteife verringern und die Nervenleitgeschwindigkeit erhöhen.

Dabei ist es wichtig, zwischen tiefenwirkender und oberflächlicher  Wärmeanwendung zu unterscheiden. Bei ersterer wird mit Temperaturen zwischen 40 und 50°C gearbeitet, die über längere Zeit einwirken und so auch tiefer liegende Gewebe erreichen. Für eine Schmerzreduzierung und die bessere Durchblutung der Haut reicht oft schon eine oberflächliche Wärmeeinwirkung, die maximal 40°C  bedarf.

Neben einem warmen Kieselbad haben wir in unserer Praxis ein Paraffinbad.  Hier können unsere Patienten ihre Hände in warmes Wachs tunken, bis sich ein lange nachwärmender Wachsmantel um sie gelegt hat. Danach sind sie bestens vorbereitet für die kommende Handtherapie und festes Narbengewebe kann beispielsweise schneller gelockert werden oder wenig bewegliche Gelenke lassen sich gut mobilisieren.

Aber auch im Hausbesuch können wir mittels der sogenannten „heißen Rolle“ oder Wärmekissen, die mit Kirschkernen gefüllt sind, eine Wärmeanwendung in die Therapie einfließen lassen und damit die Muskeln, Sehnen, Gelenke und Nerven unserer Patienten geschmeidiger machen.

Trotz der vielen nützlichen Effekte der hohen Temperaturen stellt eine Wärmeanwendung immer nur einen Zusatz zur ergotherapeutischen Behandlung dar. Zudem ist zu beachten, dass Wärme bei akuten Entzündungen kontraindiziert sein kann. Eine tiefenwirkende Wärmeanwendung muss daher als thermische Anwendung vom Arzt zusammen mit einer motorisch-funktionellen oder sensomotorisch-perzeptiven Behandlung verordnet werden.

Theresa Allweiss

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ich kenne diese Methode bei Reumabehandlung. Bin sehr begeistert und brauche dieses Medium im Ausland in einer Demenzgruppe. Bitte teilen Sie mir einen versierten Händler mit, der auch ins Ausland verkauft.
    Freundliche Grüsse, Ergotherapie Reichmann.

    1. Hallo Nicole,
      vielen dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst!
      Leider kann ich keine Händler nennen, die das nötige Equipement ins Ausland liefern. Ich wünsche jedoch viel Glück bei der Suche – v.a. auch weil ich bei schwer betroffenen Demenzkranken selber schon gute Erfahrungen mit Wärmeangeboten gemacht habe (z.B. zur Förderung der Wahrnehmenung und kognitiven/motorischen Aktivierung).
      Viele Grüße, Theresa Allweiss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen